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Senioren Union Leonberg: Perspektiven für Konjunktur und Finanzmärkte

Zu diesem interessanten Thema konnte die Senioren Union Leonberg den Vorstand der Volksbank Region Leonberg, Herrn Jürgen Held, gewinnen

Trotz glühender Hitze fanden sich am Dienstag, 21. 07. 2015 viele Mitglieder und auch Gäste bei Rath Catering in der Breslauer Straße ein.

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Zunächst befasste sich der Referent mit dem Thema Griechenland. Nach Einleitung der Reformen durch das griechische Parlament gab der Bundestag den Weg frei zu Verhandlungen für ein drittes Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro. Das Haushaltsloch dieses Landes beläuft sich auf 74 Milliarden Euro. Griechenland ist bereits bei anderen Staaten verschuldet, z.B. 88,7 Mrd trägt Deutschland, 67,9 Mrd Frankreich, 59,2 Mrd Italien. Deutlich zeigt sich, dass ein Großteil der Gelder für die Tilgung von Schulden nebst Zinsen - durch die Aufnahme neuer Schulden - ausgegeben werden muss. Für Investitionen in die Wirtschaft bleibt fast nichts mehr übrig.

Dringend muss der griechische Staat seine Einnahmen erhöhen. Ob dies mit der Anhebung der Mehrwertsteuer für viele Waren und Dienstleistungen von 13% auf 23% gelingt, ist fraglich. Damit die Banken nicht die illiquide werden, werden u.a. Sparguthaben bis maximal 100.000 € garantiert, Vor allem müsste die griechische Steuerverwaltung reformiert und die Verfolgung des Steuereinzuges konsequent durchgeführt werden. Mit nur neuen Hilfspaketen droht irgendwann der „Grexit“.

Konjunkturelles Umfeld

Staats- und Unternehmensanleihen wurden bereits im Wert von 1,14 Billionen Euro von der EZB aufgekauft. Mit dieser Maßnahme will man die Kreditvergabe stimulieren. Ein schwacher Euro ist gut für den deutschen Export. 2014 gingen die Zinsen nochmals nach unten. Wer eine 10- jährige Bundesanleihe kaufen wollte, musste sogar Negativzinsen bezahlen. Die Ertragslage der Banken wird dadurch schwieriger, sodass die Konzentration (sprich Fusionen) auf dem Bankensektor weiter geht.

Zins- und Währungsentwicklung

Für den Euro spricht, dass sich die europäische Wirtschaft stabilisiert hat. Contra, die US-Wirtschaft ist robuster als die des Euroraums. Die FED ist auf dem Weg zur ersten Zinserhöhung, die im September erwartet wird.

Internationale Aktienmärkte

Werden viele Gelder investiert, können die Aktienkurse steigen, die Wirtschaft wird angekurbelt. Allerdings ist diese Anlageform risikobehaftet, nur 6 % der Bevölkerung besitzen Aktien.

Rohöl

Zunächst wird eine Preis-Konsolidierung erwartet. Die OPEC begrenzt keine Fördermengen; und nach Aufhebung des Embargos darf der Iran wieder Öl exportieren.

Gold

Jürgen Held empfahl allenfalls Gold als Beimischung im Anlage-Depot. Innerhalb von wenigen Tagen sank der Goldpreis von 1.200 US Dollar auf 1.070 US Dollar.

Immobilien

Gerade in unserer Region ist diese Form der Anlage sehr beliebt, denn sie bietet Sicherheit. Der Anstieg der Nettoinvestitionen belief sich auf 26,4 Milliarden Euro.

Zuhörerfragen

Wenn die Staatseinnahmen sinken, was passiert mit den Banken? Die Schulden der BRD würden sich, bei einem Zinsanstieg von nur 1%, um 40 Milliarden Euro erhöhen. Anhand einer Tabelle verdeutlichte uns Jürgen Held Bruttoinlandsprodukt versus Staatsverschuldung. Die Zahlen für die USA, Staatsverschuldung 105% des Bruttoinlandsprodukt, Einnahmen 11,5% Die Verschuldung in Deutschland liegt bei 72%, die Einnahmen bei 6,9%. Ähnlich erschreckende Werte liefern die anderen Länder weltweit.

Die Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen gilt es zu bedenken. Auf der anderen Seite erleben wir, auch dank der Staatsverschuldung, Jahrzehnte des Friedens in Europa, ein politisch gewolltes Ziel.

Ein anderer Zuhörer stellte die Frage, inwieweit der technische Fortschritt die Bankenlandschaft verändert hat. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben deutschlandweit 1.000 Institute, davon in Baden-Württemberg 200. Einerseits ist der persönliche Kontakt zu den Kunden wichtig, auch um sie individuell zu beraten. Andererseits werden die Serviceleistungen am Schalter weniger, da Online-Banking immer bedeutender wird. Die Kunden, vor allem die Handwerker und Selbständige schätzen es, nach Feierabend und in der Freizeit, ihre Bankgeschäfte zu erledigen.

Wie sicher ist Online-Banking? Jürgen Held hält die Schäden für gering. Über ein zentrales Rechenzentrum, in das zahlreiche Sicherungen eingebaut sind, läuft es reibungslos. Die Zuhörer sind aufgefordert, ihren eigenen Computer zu sichern und bei Verdacht, z.B. bei „fishing mails“ Vorsicht walten zu lassen.

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Dr. Eberhard Pflüger, bedankte sich bei Jürgen Held für seine aufschlussreichen Ausführungen, die bei den Zuhörern auf reges Interesse stießen.

Monika Karsunky

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