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Kommunen entwickeln zu wenig Bauland

Thomas Kiwitt von der Region Stuttgart warnt davor, den Wirtschaftsstandort in Gefahr zu bringen. Arnold Einholz

Leonberger Kreiszeitung v. 15.09.2018

Als florierendes Mittelzentrum bräuchten wir in Leonberg etwa 58 Hektar neues Bauland, um den Bedarf der eigenen Bevölkerung und den der Zuziehenden zu decken“, sagt Thomas Kiwitt. Und den anwesenden Kommunalpolitikern schrieb er unmissverständlich ins Stammbuch: „Bauland schaffen können nur die Gemeinden.“ Der Technische ­Direktor des Verbandes Region Stuttgart war Gastredner auf der Jahreshauptversammlung des CDU-Stadtverbandes und referierte über die regionale Perspektive auf die örtliche Wohnraumentwicklung.
„Die Wohnraumsituation wird wohl zu einem wichtigen Thema des Kommunalwahlkampfes im kommenden Jahr werden“, meinte der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Oliver Zander, in seiner Begrüßungsrede. Sie werde auch eines der Themen sein, mit denen sich die Christdemokraten im Gemeinderat in Zukunft intensiv beschäftigen werden müssen, sagte der Stadtrat.
„Die Wohnraum­situation mit den hohen Mieten und den immer weiter steigenden Immobilienpreisen ist zu einem der dringenden Probleme der Region geworden“, sagte Kiwitt. Auf zehn Prozent der Landesfläche wohnt hier ein Viertel der Bevölkerung (2,7 Millionen Menschen), die 30 Prozent der Wirtschaftsleistung erbringt und die Hälfte des Landesbudgets erwirtschaftet. „Das heißt viele Menschen auf engem Raum, was es schwer macht, Spielraum für Wachstum zu finden“, so der Fachmann. Hinzu käme noch, dass von den 179 Kommunen der Region, mehr als zwei Drittel weniger als 10 000 Einwohner haben. „Diese machen oft Wirtschafts- und Entwicklungspolitik für Weltkonzerne, deshalb ist eine Abstimmung äußerst wichtig“, meinte der technische Direktor der Region. Die sei der Krisengewinner, die Konjunktur brumme, es gibt gute Jobs und eine gute Infrastruktur, was viele Arbeitskräfte anzieht. „Wir profitieren davon, dass im europäischen Ausland die Jugendarbeitslosigkeit so hoch ist, aber wer hier arbeitet, braucht auch ein Dach über dem Kopf.“
Hinzu komme noch, dass für den Eigenbedarf weiteres Bauland benötigt wird, gab der Planer zu bedenken, zum Beispiel um der nachwachsenden Generation im Ort Wohnraum anbieten zu können, damit ­diese von zu Hause ausziehen kann. „Es sind viel weniger alte Menschen, die Wohnraum frei machen, als junge nachkommen, die ihn beziehen könnten“, erläuterte Thomas Kiwitt. In der Region werden von 86 000 jungen Menschen ausgegangen, die hier zwar zuhause sind, aber für die künftig Wohnraum fehlt, wenn sie aus dem Hotel Mama ausziehen wollen.
Und das, obwohl der demografische Wandel überhaupt nicht abgewendet sei. „Bis 2035 wird die Bevölkerung in der Region um 137 000 Menschen zurückgehen“, rechnete Thomas Kiwitt vor. Angesichts der Tatsache, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der ­50er und 60er Jahre in den Ruhestand ­gehen, müsste die Region mit etwa 230 000 Berufsanfängern von außerhalb rechnen, für die ebenfalls ein Dach über dem Kopf geschaffen werden muss. „Aber es fehlt nicht an ausreichend geplanter Fläche, in den Flächennutzungsplänen ist reichlich vorhanden“, gab der Technische Direktor der Region zu bedenken.
Was fehle, ist die Erschließung des Baulandes und die Baureife. „Etwa 2000 Hektar Bauland ist in der Region beschlossen und genehmigt, aber es wird aus welchen Gründe auch immer in den Kommunen nicht entwickelt“, sagte Kiwitt. Es gebe natürlich immer irgendwelche Hürden, aber das Problem nicht anzupacken, sei nicht die Lösung, mahnte er.
Dieser Zustand und auch die fehlende Bereitschaft kleiner Kommunen, auch mal Mehrfamilienhäuser – Kiwitt: „Die werden nicht automatisch zu Gettos und Problempunkten“ – anstatt Einfamilien- oder Doppelhäuser zu planen, trage substanziell zur Wohnraumproblematik in der Region bei. Und die betreffe inzwischen nicht nur ­Geringverdiener, sonder auch Menschen mit guten Einkommen. „Wir dürfen nicht die Normalverdiener aus den Städten rausmobben“, warnte der Regionalplaner. Das bringe den Wirtschaftsstandort in Gefahr, gibt Kiwitt zu bedenken.
Ein weiteres großes Problem sei der Mangel an Gewerbeflächen, die die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft gewährleisten. „Zum Glück sind wir stark vom Automobil abhängig und hier findet der Strukturwandel in den bestehenden Werken statt. Würden die neue Flächen benötigen, hätten wir große Schwierigkeiten“, sagte Kiwitt. „Wer investieren will, will keine fünf Jahre lang warten.“
Hinzu käme noch, dass die Infrastruktur der Region am Limit sei. „Wir investieren Milliarden, damit das Verkehrssystem bleiben kann, wie es ist“, sagte der Fachmann. „Wer heute im Stau steht, wird es auch in zehn Jahren“, prognostiziert Kiwitt. Deshalb sei eine dezentrale Entwicklung notwendig und dabei sind die Mittelzentren die Säulen der Entwicklung. „Wir brauchen Flächen für Wohnen und Arbeiten, sonst können wir den Laden runterfahren“, ist Thomas Kiwitt überzeugt.

mit freundlicher Genehmigung der  Leonberger Kreiszeitung.

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