CDU Kreisverband Böblingen

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WINDKRAFT IN LEONBERG - EIN BEITRAG ZUR ENERGIEWENDE

zu diesem Thema lud der Stadtverband Leonberg der CDU am 22. Oktober zu einem Vortrags- und Diskussionsabend ins Hotel „Hirsch“ in Leonberg-Eltingen ein.

Neben den Referenten des Abends: Hansjörg Jung, Windkraftbeauftragter im Luftfahrtverband Baden-Württemberg e.V., Leiter AK Energie des CDU-Kreisverbands Böblingen, und Wolf Eisenmann, Erster Landesbeamter, Landratsamt Böblingen, konnte unsere Landtagsabgeordnete, Sabine Kurtz, rund 50 Personen begrüßen.

Äußerst informativ, ergänzt um eine Power-Point-Präsentation, trug zunächst Herr Hansjörg Jung den interessierten Zuhörern seine streng an Fakten orientierten Überlegungen zur Windenergie vor.

Windenergie ist sauber und rentabel – wenn der Wind bläst. In der Bundesrepublik bläst ausreichender Wind nur an jedoch nur an 1536 Stunden von insgesamt 8760 Jahresstunden, in Baden-Württemberg nur an 860 Stunden. Der Windatlas Baden-Württemberg kann deshalb nur relativ wenig windstarke Gebiete im Land ausweisen. Sich auf die Werte im Windatlas zu verlassen, wäre jedoch unzureichend. Vielmehr müssen die Windverhältnisse vor Installation einer Windkraftanlage konkret am Standort gemessen werden – und zwar sehr genau! Sollten nämlich die tatsächlichen Windverhältnisse während der jahrzehntelangen Betriebszeit einer Windkraftanlage von den Messergebnissen der Voruntersuchung abweichen, können erhebliche Unwirtschaftlichkeiten die Folge sein. Der Wind sollte mindestens 6 Meter pro Sekunde im Jahresdurchschnitt wehen, damit überhaupt ein rentabler Betrieb möglich ist. Dabei ist zu beachten, dass mit zunehmender Höhe eine bessere Ausbeute zu erzielen ist. Bei doppelter Windkraft wird eine achtfache Leistung erreicht, wobei die Obergrenze bei 13 Meter Windgeschwindigkeit pro Sekunde liegt. Deshalb werden Windkraftanlagen immer höher und größer. So lieferte eine Windkraftanlage im Jahr 1980 bei 30 Meter Höhe eine Leistung von 30 KW, im Jahr 2010 bei 135 Meter Höhe 7500 KW. Man muss wissen, dass nur bis 59 % der Windenergie genutzt werden kann.

Viele Untersuchungen und Prüfungen müssen vorgenommen werden. Zwingend ist zunächst, die Windverhältnisse exakt zu messen, d.h. Windstärke, Luftdichtheit und Temperatur. Der Standort muss danach und nach weiteren Kriterien ausgewählt werden: Mindestens 700 Meter Abstand zur Wohnbebauung, Gesamtimmission unter 45 dB, Schattenschlag, möglicher Eisabwurf von den rotierenden Blättern (das ist eine reale Gefahr bei Temperaturen von -7 bis +4 Grad Celsius, z.B. kann ein 600 Gramm schweres Eisstück bis zu 175 Meter weit geschleudert werden). Ein gewisses Risiko stellt die Brandgefahr der Windkraftanlagen durch Blitzeinschlag dar. Viele Hundert Liter Öl schmieren und kühlen die aufwendige Technik. Dass die Standsicherheit einer Windkraftanlage äußerst exakt berechnet werden muss, versteht sich bei der Größe der Anlagen und dem Winddruck auch bei stärksten Stürmen von selbst. Ein heikles Problem ist die Gefährdung der Fauna. Unter dem Gesichtspunkt des Artenschutzes muss eine Windkraftanlage einen Mindestabstand von 1000 Meter vom Hort des Rotmilans einhalten – und davon gibt es auf Leonberger Gemarkung mehrere. In der Region Stuttgart leben 21 verschiedene Arten Fledermäuse. Sie sind insbesondere in den Monaten Mai bis August durch Flügelschlag und Luftdruckschwankungen in Rotornähe gefährdet, weshalb Anlagen gegebenenfalls abgeschaltet werden müssen.

Fazit: In Baden-Württemberg gibt es viel Sonne, viel Wasser, aber wenig Wind, womit nicht generell gegen Windkraftanlagen argumentiert werden soll, sondern für genaueste Prüfungen.

Herr Wolf Eisenmann stellte im Anschluss an das Referat von Herrn Jung die Überlegungen des Abfallwirtschaftsbetriebs des Kreises Böblingen vor. Nicht der Landkreis, sondern der Abfallwirtschaftsbetrieb steht vor der Frage, unter anderem auch auf der Gemarkung Leonberg Windkraftanlagen zu installieren, und zwar neben der Biomüll-Kompostierungs-Anlage am Frauenkreuz, dort wo die Kreisstraße 1008 von Warmbronn Richtung Büsnau die Autobahn A8 überquert. Selbstverständlich werde der Abfallwirtschaftsbetrieb auch alle von Herrn Jung genannten Kriterien beachten. Entscheidend wird das Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsberechnung sein, denn nur bei positivem Ergebnis darf das Geld der Abfallgebührenzahler in die Nutzung der Windenergie fließen. Der Zeitplan sieht vor, zunächst die Ergebnisse der Windmessung in 50 Meter Höhe am möglichen Standort abzuwarten. Bis März 2013 sollen sie vorliegen. Bevor Anfang 2014 eine Windkraftanlage an diesem Standort gebaut werden könnte, müssen erst positive Ergebnisse des Baugrundgutachtens, der Umweltverträglichkeitsprüfung, der Wirtschaftlichkeitsberechnung, sonstiger Gutachten und das Genehmigungsverfahren abgewartet werden.

Nach einer interessanten Diskussion, an der sich auch der BUND Leonbergs beteiligte, dankte Frau Sabine Kurtz den Referenten und wünschte allen Teilnehmern noch weitere anregende Diskussionen.

© CDU Kreisverband Böblingen 2017